Pfarrer Joseph Olivier – „mutmaßlicher Täter“?

Heimbach (c) Wilhelm Scheuvens
Heimbach
Datum:
Sa. 21. Okt. 2023
Von:
Janny Broekhuizen

Mit großer Betroffenheit haben wir im Pastoralteam zur Kenntnis genommen, dass Joseph Olivier, von 1975-2001 Pfarrer in Heimbach, vom Bistum Aachen als „mutmaßlicher Täter“ eingestuft wird. Gegen Pfarrer Olivier liegt eine „Beschuldigung sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige/Schutzbefohlene aus den 1960er Jahren vor“. Zu dieser Zeit war Joseph Olivier Kaplan in Viersen-Dülken. Das Generalvikariat betont, dass die Veröffentlichung der Klarnamen einer juristischen Überprüfung standhält.

Dieser Vorwurf gegen den Pfarrer, dem die Heimbacher Pfarr- und Pilgergemeinde so viel verdankt (Bau der Salvatorkirche!), lässt uns sprach- und fassungslos zurück. Wir stehen vor einem Berg von Fragen: Was hat zu diesem „hinreichenden Tatverdacht“ geführt? Was ist passiert? Ist alles ein Missverständnis, eine (womöglich gezielte) Falschinformation? Oder gibt es, im Gegenteil, vielleicht noch mehr Betroffene?

Grundsätzlich begrüßen wir die Entscheidung des Bistums Aachen, Opferschutz nun vor Täterschutz zu stellen und alles zu tun, um sexuellen Missbrauch durch Geistliche aufzuklären und in Zukunft zu verhindern. Viel zu lange wurde Missbrauch in unserer Kirche totgeschwiegen und vertuscht, wurden Täter einfach versetzt, das lebenslange Leid der Opfer ignoriert.

Gleichzeitig wissen wir, dass viele Pfarrangehörige, viele Pilgerinnen und Pilger Joseph Olivier als engagierten Geistlichen und tatkräftigen Förderer der Wallfahrt erlebt haben. Sein Charisma prägt bis heute die Gestaltung der Wallfahrt zum Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter. Um so schmerzhafter und verwirrender ist die Unsicherheit, die die Veröffentlichung des Bistums jetzt auslöst. Der Verdacht gegen Pfarrer Olivier und das persönliche Erleben seiner Person – das passt für viele nicht zusammen.

Das Bistum Aachen bietet über eine Hotline Gesprächsmöglichkeiten an; bitte zögern Sie nicht, sich dorthin zu wenden, wenn Sie Gesprächsbedarf haben (Tel. 0241 – 452 225, www.missbrauch-melden.de). Weiterhin überlegen wir, einen Vertreter oder eine Vertreterin der Stabsabteilung PIA („Prävention – Intervention – Ansprechpersonen“) zu einem offenen Gespräch nach Heimbach zu bitten.

In den vergangenen Tagen haben wir schon mit Erschrecken erlebt, welch tiefe persönliche Verletzungen das Thema aufreißt. Bei allen Gesprächen und Auseinandersetzungen, die jetzt entstehen, bitten wir daher um Respekt im Umgang miteinander – Respekt vor der Glaubensbiographie und den Gefühlen unseres Gegenübers, Respekt vor denen, die sich um Aufklärung bemühen, Respekt auch vor einem Verstorbenen, über dessen Leben Gott richtet.

Alice Toporowsky, Pastoralreferentin